An meine ehemalige beste Freundin

08.09.2019

Nachdem ich letzte Woche schon etwas über meine Realschulzeit erzählt habe kommt hier eine Art "Ergänzung" dazu.
Dieser Brief ist an A, meine ehemalige beste Freundin aus der Grund- und Realschule. Sie weiß, was ich von ihr halte, seit ich ihr im Mai 2018 einen Brief geschrieben habe, in dem ich alles unausgesprochene zwischen uns aufgeschrieben habe und ihr gegeben habe. Der Kontakt ist seit dem abgebrochen.


Hey A,

du wirst das hier nie lesen und eigentlich ist es mir auch egal, ob das so ist.

Du weißt, was ich von dir denke und ich würde mir wünschen, deine Sichtweise mal zu hören, doch das werde ich wohl nie.

Ich will dich nur noch einmal fragen warum?

Warum musste das alles so enden zwischen uns, ohne, dass du mir je die Möglichkeit gegeben hast, zu erfahren, warum du damals so gehandelt hast?

Du hast mir mehr weh getan, als ich es in der Realschule wahr haben wollte.

Du warst mein Anker im Sturm, doch ich habe nicht gemerkt, dass du eigentlich den Sturm herbeigerufen hast.

Natürlich bist du nicht zu 100% dafür verantwortlich, dass alles so kam, wie es gekommen ist, doch ich habe in der Zeit jemanden gebraucht, der sich vor mich gestellt hat, wenn alle gegen mich waren.

Eigentlich dachte ich, eine beste Freundin macht das.

Doch die Freundschaft war wohl nur noch einseitig und ich würde so gerne wissen, wie lange ich es mir eingeredet habe, dass es noch beidseitig wäre...

Ist dir je aufgefallen, wie verletzlich ich geworden bin über die Zeit in der Realschule? Ist dir aufgefallen, dass ich viel schneller immer emotionaler wurde und immer tiefer in mich kehrte? Ich hatte Angst. Vor dem Schulalltag, vor meinen "Freunden", davor, etwas falsch zu machen. Ich hatte Angst vor dem Leben in dieser Zeit. Ich habe dich gebraucht. Ich habe dich wirklich gebraucht, mehr als alles andere in der Zeit. Ich habe jemanden gebraucht, der bei mir war, seelisch und physisch. Jemand, der mich aufbaute, der mir versicherte, dass alles gut wird und dann einfach in den Arm nimmt.

Doch das warst nicht du und du wirst es auch niemals sein.

Du hast selbst meine Mutter angelogen, als sie dich gefragt hat, ob du dich mal für mich einsetzen könntest. Du hast gesagt, das wäre selbstverständlich und wo war dann diese Selbstverständlichkeit?

Sie hat gefehlt, genau so wie mir jemand gefehlt hat, der für mich war, wenn alle anderen gegen mich waren.

Du weißt nicht, wie es sich anfühlt, wenn die ganze Welt scheinbar gegen dich ist und ich hoffe so sehr, dass du das nie erfahren musst.

Das wünsche ich keinem, auch niemanden aus unserer Realschulklasse.

Ich will nur, dass ich verstanden werde. Ihr sollt nicht das fühlen, was ich zu dem Zeitpunkt fühlen musste, ich will nur, dass ihr es versteht.

Das wirst du nicht, das wird niemand von damals. Und es tut weh, das zu wissen.

Aber sei dir im Klaren, dass ich nicht mehr auf heile Welt tun werde, wenn ich dich irgendwann mal sehe. Das war es nie und wird es auch nicht sein. Ich arbeite daran, irgendwann damit Ruhe in mir zu haben, dass ich mir eingebildet habe, eine beste Freundin an meiner Seite zu haben, als Mobbing alles war, was meine Realschulzeit geprägt hat.

Ich werde dir vielleicht irgendwann verzeihen können, auch wenn du nie nach Verzeihung gefragt hast.

Doch ich muss daran arbeiten und ich werde meine Zeit dafür brauchen. Vielleicht auch ein ganzes Leben lang.

Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst.

Lea


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